Kunde zahlt nicht

… was nun, was tun?

von Jochen Ebert

Kein falscher Ehrgeiz

Wer ein eigenes Mahnwesen betreibt, verrichtet im Prinzip eine Tätigkeit, für die er nicht bezahlt wird. Und die aufgewendete Zeit hätte man besser anderweitig nutzen können. Aber viele Kollegen sind so stolz darauf, dass sie wissen, wie man online einen Mahnbescheid beantragt. Dabei kann man sich diesen Ehrgeiz sparen, denn dafür gibt es externe Fachleute. Und da man deren Arbeit auch noch kostenlos haben kann, sollte es keinen Grund geben, darauf zu verzichten.

 

Die Profis müssen ran

Es geht ja nicht nur darum, sich zeitraubende Arbeit abnehmen zu lassen. Auch wer nicht gern einen Dritten in seinen Kontakt zu seinem Kunden einschaltet, wird erkennen müssen, dass sich niemand so gut in der Eintreibung offener Forderungen auskennt wie Fachleute, die den ganzen Tag nichts Anderes machen. Dafür ist enorm viel Erfahrung erforderlich, die teilweise noch höher als die eigentlichen Fachkenntnisse zu bewerten sind. Denn: Jeder Fall ist anders; jeder Schuldner ist anders. Es gilt, die Reaktion des Schuldners auf die Mahnung richtig zu interpretieren, Ausreden zu identifizieren, Tricks „professioneller“ Schuldner zu durchschauen und angemessen zu reagieren, und die können dem Gläubiger ziemlich zu schaffen machen. Beispiele:

– Wertsachen werden an Angehörige verpfändet.

– Im Grundbuch wird eine Dienstbarkeit für die eigene Immobilie eingetragen, damit sie für Gläubiger nicht verwertbar ist.

– Der Schuldner tritt seinen Lohn ab oder setzt vorübergehend das Arbeitsverhältnis aus, um eine Lohnpfändung zu verhindern.

– Lohnverschleierung durch unverhältnismäßig niedrige Entlohnung

– Der Schuldner ändert seine Lohnsteuerklasse

– Der Schuldner lässt für ihn bestimmte Zahlungen auf das Konto von Angehörigen überweisen.

– Der Schuldner behauptet, kein eigenes Einkommen zu haben.

– Kein Namensschild an der Tür. Eingang wird kameraüberwacht.

– Keine telefonische Erreichbarkeit

– Als Postanschrift wird die Adresse eines Verwandten mitbenutzt, bei der der Schuldner selbst aber gar nicht wohnt. Die richtige Adresse kennt der Verwandte angeblich selbst nicht: „Der kommt nur her, um seine Post abzuholen.“

– Die Gesellschaftsanteile wurden ins Ausland verkauft. Es ist keine ladungsfähige Anschrift von Gesellschaftern oder Geschäftsführer bekannt.

– Der Schuldner hat Insolvenz angemeldet und arbeitet mit einer neuen Firma weiter.

Und diese Tricks verbreiten sich in den einschlägigen Kreisen, werden aus dem Darknet bezogen oder aus Büchern, die nicht im Buchhandel erhältlich sind. Man sieht also: Das sind Fälle für Profis. Das Mittel der Wahl heißt Inkassobüro!

 

Vorteile

Nicht Sie treten gegenüber dem Kunden als Angreifer auf, sondern der Forderungseintreiber. Als Außenstehender kann er mit mehr Gelassenheit an die Sache herangehen als jemand, der emotional mit den Inhalten verbunden ist. Das wirkt kundenerhaltend. Seriöse Inkassobüros verstehen sich als Mittler zwischen Gläubiger und Schuldner, ja sogar als Berater des Schuldners. Die Mitarbeiter sind in psychologischem Geschick geschult. Bei manchen Büros kann sich der Kunde die „Gangart“ aussuchen – je nachdem ob Sie sich den Kunden erhalten wollen oder keinen Wert mehr auf ihn legen. Allerdings lautet das Ebertsche Gesetz: „Ein Kunde, der nicht zahlt, ist kein Kunde!“

 

Hilfe durch Kompetenz

Bei Forderungen steckt der Teufel oft im Detail, und darauf sind Inkassobüros spezialisiert – mehr als so mancher Anwalt. Und jeder Fall ist ein Einzelfall. Was gibt es da alles zu prüfen:

– Besteht die Forderung überhaupt zu Recht?

– Wurde der Auftrag an den Gläubiger rechtsgültig und nachweislich erteilt?

– Verfügte die handelnde Person zum Zeitpunkt der Auftragserteilung über eine Vertretungsbefugnis?

– Es ist ein Unterschied, ob sich die Forderung gegen eine Privatperson oder eine juristische Person richtet.

– Bei Firmen ist die Rechtsform zu berücksichtigen.

– Auch der Forderungsgrund ist nicht unerheblich: Warenlieferung, Dienstleistung, Werkvertrag, laufende Verpflichtung?

– Befindet sich der Schuldner effektiv im Verzug bzw. wurde er rechtswirksam in Verzug gesetzt?

– Sind Einwände des Schuldners absehbar?

– Wie sind die Aussichten, dass die Forderung realisiert werden kann? Was spricht eventuell dagegen?

– Zeichnen sich juristische Spitzfindigkeiten ab, müssen rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden.

 

Inkassobüro versus Rechtsanwalt

Ein Anwalt verschickt in der Regel eine Mahnung und beantragt bei Nichterfolg einen Mahnbescheid, womit dann die gerichtliche Phase eingeleitet wird. Ein Inkassobüro wird sich viel intensiver bemühen, den Fall noch außergerichtlich abzuwickeln, denn sonst müsste es ihn seinerseits an einen Anwalt abgeben, wodurch es die Provision verliert. Es geht also zunächst mal um eine kaufmännische Abwicklung, und da wäre die Einschaltung eines Rechtsanwalts überdimensioniert. Einem Inkassobüro stehen da ganz andere Instrumente zur Verfügung. Es wird sämtliche Wege der Ansprache nutzen – Telefon, Brief, Fax, SMS bis hin zum Besuch durch den Außendienst, wobei man sich dann gleich ein Bild vor Ort machen und einen persönlichen Eindruck von der Situation verschaffen kann. Allein die Möglichkeit, dem Schuldner in Aussicht zu stellen, den Fall an die Schufa und andere Auskunfteien zu melden, wirkt oft Wunder, denn erfahrene Schuldner wissen, was das bedeutet. Diese Möglichkeit ist dem Gläubiger und auch Anwälten schließlich verwehrt. Je recherche-intensiver ein Fall ist, desto besser ist er bei Inkassobüros aufgehoben.

 

Wenn die Mehrheit der Inkassobüros die „Auszahlung Ihrer Forderung zu 100 %“ im Erfolgsfall garantiert, ist das auch nichts Besonderes, da sie hier ja in Konkurrenz zu Rechtsanwälten stehen, denn auch dort erhalten Sie ja Ihre Forderung in voller Höhe. Beide machen ihr Honorar zusammen mit der Hauptforderung gegenüber dem Schuldner geltend, der diese Kosten als Verzugsschaden zu übernehmen hat. Während das für Anwaltshonorare in jedem Fall gilt, gab es Verfahren, in denen die Gebühren eines Inkassobüros nicht anerkannt wurden. In aller Regel kann man jedoch davon ausgehen, dass auch die Gebühren eines Inkassobüros als Verzugsschaden gelten.

 

Anbieter

Ein schlechtes, weil nicht mehr zeitgemäßes Angebot liegt Ihnen vor, wenn Sie

– „Mitglied“ werden sollen

  • und somit Beiträge entrichten müssen
  • vielleicht sogar eine Aufnahmegebühr

– für die Auftragserteilung bestimmte Formulare verwenden müssen,

  • die Sie serienweise vorher kaufen müssen

in jedem Fall einen Kostenvorschuss leisten müssen

in jedem Fall bei Erfolg eine Provision schulden.

Das einzige, was noch akzeptiert werden kann, ist, wenn ein Gebührenvorschuss verlangt wird, auch wenn von vornherein sämtliche Kosten gegenüber dem Schuldner geltend gemacht werden. Leider kommt es nämlich häufig vor, dass der Schuldner dank der Intervention des Inkassobüros recht bald zahlt, aber nur die Hauptforderung begleicht und alles andere (zunächst mal) nicht. Das stellt dann den Gläubiger vor die Entscheidung, ob er darauf verzichten oder auch noch den geringen Rest betreiben soll. Aber im Erfolgsfall erhalten Sie den Vorschuss natürlich zurück.

 

Mit einem guten, da marktgerechten Angebot haben Sie es zu tun, wenn

– die Tätigkeit des Inkassobüros für den Gläubiger grundsätzlich kostenlos ist

– Sie dementsprechend auch keine Vorschüsse entrichten müssen

– Ihnen Ihre Hauptforderung zu 100 % ausgezahlt wird

– in der Regel keine Erfolgsprovision fällig wird

– kein Honorar oder nur eine geringe Pauschale bei Misserfolg fällig wird.

 

Konditionen

Die „kostenlose“ Bearbeitung gilt in der Regel nur für die außergerichtliche Phase. Ab dem gerichtlichen Stadium fallen natürlich externe Kosten an, und dann kann es auch sein, dass Sie in Vorlage treten müssen. Auch im vorgerichtlichen Stadium können externe Kosten anfallen, z. B. wenn zunächst mal eine Adressrecherche erforderlich ist („untergetauchter Schuldner“), die Bonität des Schuldners grundsätzlich geprüft werden muss, um nicht mit einer fruchtlosen Pfändung konfrontiert zu werden; sonstige Auskünfte über den Schuldner einzuholen sind usw.

 

Auch wenn bei Normalfällen keine Erfolgsprovisionen fällig werden, so sind sie jedoch bei Auslandsfällen durchaus üblich. Ebenso bei Fällen, die durch die sogenannte Langzeitüberwachung realisiert werden. Wenn Ihnen die Auszahlung Ihrer Hauptforderung zu 100 % garantiert wird, gilt das für den Erfolgsfall. Das bedeutet: Der Schuldner hat alles bezahlt, was das Inkassobüro von ihm verlangt hat.

 

Gleich bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Schuldner teilt ihm das Inkassobüro mit, dass er nur noch an das Büro zahlen darf. Zahlt er dennoch an den Gläubiger, muss dieser das dem Büro sofort mitteilen. Das Inkassobüro berechnet dem Schuldner:

– die Hauptforderung

– Verzugszinsen

– Mahnspesen des Gläubigers

– Bearbeitungsgebühr des Inkassobüros

Von der Gesamtsumme kehrt das Inkassobüro aber nur die volle Hauptforderung an den Gläubiger aus. Den Rest behält es als Honorar ein. Damit macht der Gläubiger ein gutes Geschäft. Auf die realisierte Summe wird allerdings noch Umsatzsteuer fällig, die das Büro entweder von der Zahlung an den Schuldner abzieht oder ihm noch nachberechnet. Darüber erhält er eine Rechnung, so dass er sie als Vorsteuer absetzen kann.

 

Kriterien für die Auftragsannahme

Ein Inkassobüro ist zwar Rechtsdienstleister, aber keine Anwaltskanzlei, und darf daher keine strittigen Fälle annehmen. Wenn Sie nur den geringsten Zweifel haben, ob sich Ihre Forderung letztlich durchsetzen lässt, Sie schon von vornherein Grund zu der Befürchtung haben, dass sich Schwierigkeiten ergeben, man den Fall so oder auch anders betrachten könnte, Sie Gegenargumente des Schuldners bereits erahnen können, im Rahmen Ihres eigenen Mahnwesens bereits Einwände des Kunden aufgetaucht sind oder Sie gar auf Ihre Mahnung eine dumme Antwort bekommen haben, ist das Mittel der Wahl ein Rechtsanwalt, der auf Vertragsrecht spezialisiert ist. Zwar gibt es auch spezielle Inkassoanwälte, die sich aber genau wie Inkassobüros so sehr auf Inkassofälle konzentrieren, dass sie keine strittigen Fälle annehmen. Zumindest zum Zeitpunkt der Auftragserteilung an das Inkassobüro darf Ihre Forderung also nicht einwandbehaftet sein. Grundsätzlich bieten Rechtsanwälte den Vorteil, dass es hier gleichgültig ist, ob der Fall außergerichtlich oder gerichtlich erledigt werden muss, da alles in einer Hand bleibt.

 

Viele Inkassobüros nehmen Mandanten nur aus bestimmten Branchen oder Berufen an, weil sie selbst mit diesen verbandelt sind (Versandhäuser, Onlineshops, Banken, Ärzte, Schornsteinfeger usw.). Das Büro Ihrer Wahl muss also entweder gar nicht oder (unter anderem) auf Freiberufler allgemein spezialisiert sein.

 

Nicht in Frage kommen natürlich auch Inkassobüros, die sich ausschließlich mit dem Massengeschäft befassen und dementsprechend ein Mindestaufkommen an jährlichen Fällen voraussetzen. Das hat zudem den Nachteil, dass die Fälle oft nur nach standardisierten Verfahren und nicht individuell bearbeitet werden (EDV-Briefe).

 

Einige Inkassobüros verlangen eine Mindesthöhe der offenen Forderung je Einzelfall. Es gibt aber auch Büros, die auf Klein(st)beträge spezialisiert sind. Das ist wichtig, da viele Schuldner darauf spekulieren, dass der Gläubiger allein wegen der geringen Forderungshöhe nichts unternehmen wird.

 

Wer steckt hinter den Anbietern

Auch in den rein kaufmännischen Büros kann ausreichend juristischer Sachverstand vorausgesetzt werden. In vielen arbeiten sogar Juristen bis hin zu Volljuristen. Manchmal ist der Geschäftsführer oder Inhaber Rechtsanwalt. Einige Büros sind Tochtergesellschaften von Anwaltskanzleien, die diesen aus gebührenrechtlichen Gründen vorgeschaltet sind. Da Anwälte grundsätzlich an das RVG gebunden sind, bleiben auf diese Weise Fälle außen vor, die außergerichtlich beigelegt werden können. Inkassobüros selbst werden ohnehin nur vor und/oder nach der gerichtlichen Phase tätig, während sie diese an einen Vertragsanwalt abgeben. Bei kleineren Büros sind das oft unausgelastete Anwälte, die für diese Kooperation gewonnen werden konnten. Wenn Rechtsanwälte in ihrem Portfolio unter anderem den Punkt „Inkasso“ aufführen, dient das auch oft nur dazu, die Kapazitäten besser auszulasten, weil es vermeintlich schnell verdientes Geld ist, mal eben einen Mahnbescheid zu beantragen. Aber daraus kann leicht ein handfestes Zivilverfahren werden, und dafür müssen entsprechende Fachleute ran. Das ist dann wie mit dem Unterschied zwischen allgemeinem Anwalt und Fachanwalt. Aber es gibt auch reine Inkasso-Anwälte, von denen einige so ähnlich wie Inkassobüros arbeiten, also mit schematisierten Abläufen, dass sie keine strittigen Fälle annehmen, obwohl gerade das typisch für Anwälte ist.

 

Welche Phasen kann ein Inkasso durchlaufen

Ein Fullservice-Inkassobüro bietet grundsätzlich alle denkbaren Phasen an, die bei einem Inkassofall vorkommen können. Das hängt also davon ab, wie der Einzelfall eskaliert, so dass die jeweils nächste Stufe aktuell wird. Einige Büros lassen sich (wie Rechtsanwälte) von vornherein bevollmächtigen, eigenständig zu entscheiden, ob die nächste Phase eingeleitet wird. In aller Regel stimmt man sich aber vor jeder neuen Stufe mit dem Mandanten ab, da das ja auch eine Kostenfrage ist, die gegen das Risiko abzuwägen ist.

 

Vorbereitung

Sofern Sie nicht bereits das Billing und/oder das Mahnwesen an einen entsprechenden Dienstleister outgesourct haben, sollten Sie ein Inkasso- bzw. Anwaltsbüro erst einschalten, wenn sich der Schuldner bereits im Verzug befindet. Anderenfalls verursachen Sie Kosten, die möglicherweise nicht als Verzugsschaden anerkannt werden und mithin auch nicht vom Schuldner zu ersetzen sind. Achten Sie also darauf, dass der Schuldner effektiv im Verzug ist – sei es durch gesetzliche Fristen, vertragliche Vereinbarungen oder eine qualifizierte Mahnung.

 

Kaufmännische Bearbeitung (vorgerichtliche Phase)

Mahnen Sie nicht mehr als einmal. Ist die Frist verstrichen, beauftragen Sie das Inkassobüro. Das mahnt zunächst mal außergerichtlich – viel intensiver, als Sie selbst es tun würden und könnten – auf verschiedenen Kanälen, damit der Fall außergerichtlich bleibt. Zu diesem Zweck bietet das Büro dem Schuldner notfalls eine Ratenzahlungsvereinbarung an. Das ist vielleicht für Sie nicht die Ideallösung, aber immerhin kann dadurch ein Prozess vermieden werden. Zudem kommt es darauf an, herauszufinden, warum der Schuldner nicht zahlt. Ist er zahlungsunwillig oder zahlungsunfähig; ist er gleichgültig oder renitent? Anhand dieser Informationen kann dann gezielt über geeignete weitere Maßnahmen entschieden werden.

 

Juristische Bearbeitung (gerichtliche Phase)

Wenn es nach der Art des Einzelfalls sinnvoll erscheint, wird zunächst noch die Bonität des Schuldners geprüft. Dafür werden Auskunfteien eingeschaltet und notfalls sogar Detekteien, wenn der Verdacht besteht, dass der Schuldner seine tatsächliche Vermögenslage verschleiert (Offshore-Konten, Steueroasen, Bankschließfächer usw.). Das ist aber wiederum eine Frage des Kostenrisikos. Dann Abgabe des Vorgangs an die Anwaltskanzlei. Beantragung des Mahnbescheids („Zahlungsbefehl“), Durchführung des gerichtlichen Mahnverfahrens. Je nach Ausgang Fortführung als normaler Zivilprozess. Eventuell Güteverfahren (Vergleich). Stellt sich heraus, dass dem Schuldner schon zum Zeitpunkt der Auftragserteilung (Eingehen der Verpflichtung) seine Zahlungsunfähigkeit bekannt war, kann Strafantrag (wegen Betrugs) gestellt werden.

 

Nachgerichtliche Bearbeitung

Überwachung der Einhaltung der Auflagen aus dem Urteil. Notfalls Beantragung eines Vollstreckungsbescheids.

 

Vollstreckung

Einleitung der Zwangsvollstreckung durch einen Gerichtsvollzieher. Eventuell Pfändungsmaßnahmen, Zwangssicherung, Zwangsversteigerung. Bei Erfolglosigkeit Beantragung eines Vermögensverzeichnisses mit eidesstattlicher Versicherung. Verweigert der Schuldner das, kann der Gläubiger Antrag auf Erzwingungshaft stellen.

 

Titel-Überwachung

Verlief die Pfändung fruchtlos, weil der Schuldner aktuell unvermögend ist, übernimmt das Büro die sog. Langzeitüberwachung. Das macht Sinn, da Sie mindestens 30 Jahre lang Zeit haben, aus dem Urteil zu vollstrecken. Bis dahin kann der Schuldner ja durchaus wieder zu Vermögen gekommen sein. Und die Vermögensauskunft ist nur eine Momentaufnahme: Der Schuldner ist nicht verpflichtet, Veränderungen an seiner finanziellen Situation nachzumelden. Das Büro führt also in regelmäßigen Intervallen eine erneute Bonitätsprüfung durch. Wenn sich dabei herausstellt, dass beim Schuldner wieder etwas zu holen ist, wird der Fall reaktiviert – zunächst außergerichtlich und notfalls durch neuen Pfändungsversuch. Das ist schon deshalb wichtig, weil das sonst dem Gläubiger als „Untätigkeit“ ausgelegt werden kann, wodurch er die Durchsetzbarkeit seines Anspruchs verwirkt, obwohl er weiterhin besteht. Kann die Forderung auf diese Weise tatsächlich realisiert werden, wird allerdings eine hohe Erfolgsprovision fällig. Das lohnt sich allerdings, da Sie dabei nur gewinnen können, denn die Überwachung selbst ist kostenlos.

 

Einige Büros bieten auch sogenanntes Re-Inkasso an (Reaktivierung bereits abgelegter, aber noch nicht verjährter Fälle, „Cold Case“).

 

Ausland

Grundsätzlich sind Inkassobüros für Inlandsfälle zuständig. Immer mehr bieten aber auch die Betreibung von Auslandsforderungen an für Länder, in denen Kontakte zu Partnern bestehen. Einige Büros sind schwerpunktmäßig auf bestimmte Länder spezialisiert, andere haben internationale Niederlassungen, wieder andere sind weltweit mit einem eigenen Netz vertreten. Kann die Forderung realisiert werden, wird allerdings eine hohe Erfolgsprovision fällig. Eine sinnvolle Alternative kann daher sein, direkt einen Anwalt im Ausland zu beauftragen oder in Deutschland eine internationale Anwaltskanzlei oder ein Inkassobüro vor Ort.

 

Für Gläubiger, die im Ausland ansässig sind und Kunden in Deutschland haben, gibt es spezialisierte Anbieter, die gegen deren Schuldner vorgehen.

 

Beauftragung

Einige Büros werben mit „Online-Inkasso“ und bieten nicht nur die Möglichkeit, sondern verlangen sogar, dass der Auftrag auf deren Online-Formular erteilt wird – welchen Vorteil das auch immer haben soll. In Wirklichkeit geht es nur darum, dass das Büro sicherstellen will, dass der Auftraggeber alle erforderlichen Angaben macht und auch noch in der schematisierten Form. Andere Anbieter stellen Papierformulare zum Download zur Verfügung. Sie sollten aber auch ohne Aufforderung Ihren gesamten bisherigen Schriftwechsel mit dem Schuldner beifügen und alle sachdienlichen Informationen liefern. Seriöse Büros verlangen auch die Unterzeichnung einer Vollmacht oder sonstiger Erklärungen, die Abzeichnung deren AGB (manchmal jede Seite einzeln mit Stempel!) usw. Das alles soll auch noch im Original vorliegen, so dass die Einsendung per Post (nicht mal per Fax!) erfolgen muss. Auch Büros, die nicht grundsätzlich nur online arbeiten, bieten teilweise ihren Mandanten ein Online-Postfach an, für das Sie die Zugangsdaten erhalten. Sie können sich dann jederzeit dort einloggen und so immer den aktuellen Stand einsehen. Hier wird tagebuchmäßig jede Aktenbewegung (Schuldnerkontakt) zum Fall protokolliert (Schriftwechsel, Zahlungseingänge usw.).

 

Rundum sorglos

Obwohl die Inkassobüros dem Gläubiger ja eine Menge Arbeit abnehmen und alles weitgehend automatisch abläuft, kann man es sich noch einfacher machen, indem man mit Anbietern zusammenarbeitet, die schon die Vorstufen des Inkassos übernehmen, nämlich die Rechnungserstellung („Billing“) und die gesamte Debitorenbuchhaltung. Selbstverständlich werden dann auch routinemäßig die Zahlungseingänge überwacht, und je nach Erfordernis wird gemahnt oder es werden sogar sämtliche Inkassomaßnahmen eingeleitet.

 

Vermeidung von Inkassofällen

Wer mit anderen Geschäfte macht, handelt grundsätzlich auf eigenes Risiko. Wer auf offene Rechnung liefert, muss immer damit rechnen, dass Inkassofälle aktuell werden. Dann ist es um so schlimmer, wenn man noch nicht mal die Möglichkeit hat, unter Eigentumsvorbehalt zu liefern. Welche Alternativen gibt es, wenn man dem vorbeugen will:

 

Vorkasse

Nachteil: Sie müssen den Endbetrag bereits im Voraus kennen, also dem Kunden ein Festpreis-Angebot machen. Eine Abrechnung beispielsweise nach Länge der fertigen Übersetzung, etwa gemäß § 11 JVEG, scheidet damit aus.

 

Vorschuss (Anzahlung)

Nachteil: Der Restbetrag ist dann immer noch offen. Wird er nicht gezahlt, lohnt sich ein Inkassoverfahren möglicherweise nicht wegen der Geringfügigkeit. Ob Vorkasse oder Vorschuss: Das kann auf Kunden brüskierend und abschreckend wirken.

 

Nachnahme

Nachteil: Wenn der Kunde die Nachnahme nicht einlöst („Annahme verweigert“), nützt Ihnen das gar nichts. Für Nachnahmen wird zudem eine hohe Postgebühr fällig, die der Kunde zu tragen hätte. Außerdem muss der Absender für die Teilnahme an diesem Verfahren bei der Post registriert sein, so dass sich das nur lohnt, wenn das häufig vorkommt.

 

Factoring

Sie verkaufen von vornherein Ihre Forderung an den Anbieter (der unter Umständen sogar das Billing übernimmt). Vorteil: Sie erhalten Ihr Geld auf alle Fälle innerhalb weniger Tage, und dabei bleibt es auch, selbst wenn der Anbieter seinerseits Mühe hat, die Forderung zu betreiben, und vielleicht sogar ein Inkassoverfahren durchziehen muss. Aber Sie sind den Vorgang jedenfalls gleich wieder aus dem Kopf los – das schont die Nerven. Nachteil: Ihnen wird eine Provision vom Rechnungsbetrag abgezogen. Unter Umständen irritiert Ihren Kunden dieser Weg über einen Dritten, da das nicht branchenüblich ist.

 

Forderungsausfallversicherung

Nachteil: Sie müssen auf jeden Fall die Prämien bezahlen. Im Schadenfall müssen Sie belegen, dass Sie alle Rechtsmittel ausgeschöpft haben. Und das kann teuer werden, besonders wenn es sich gar nicht lohnt. Langwierige Angelegenheit – keine Alternative.

 

Akzeptanz von Karten

Haben Sie viel Laufkundschaft (Privatpersonen), lohnt sich vielleicht die Anschaffung eines Kartenlesegeräts. Vorteil: Sie brauchen keine „Kasse“ und müssen kein Wechselgeld vorrätig halten. Voraus-, An- oder Sofortzahlungen sind unabhängig von der Barschaft möglich, die der Kunde zufällig mit sich führt. Der Provider sollte aber nicht nur die Zahlung per Girocard („EC-Karte“) anbieten, sondern auch mit den wichtigsten Debit- und Kreditkarten. Nachteil: Es werden Provisionen fällig.

 

Vorbeugung

Im Abschnitt „Hilfe durch Kompetenz“ wurden die Details der notleidenden Forderung geschildert, die das Inkassobüro prüft, bevor es das eigentliche Mahnwesen in Angriff nimmt. Jede Schwachstelle, die dabei evident wird, ist natürlich zu Ihrem Nachteil und schränkt auch den Handlungsspielraum des Inkassobüros ein. Sorgen Sie daher von vorherein selbst dafür, dass Ihre Mahnfälle rechtlich und insbesondere inhaltlich unangreifbar sind:

– Ist das Schuldverhältnis eindeutig?

– Liegt Ihnen ein eindeutig formuliertes Auftragsschreiben vor? Besondere Skepsis ist geboten

  • bei der Ausdrucksweise juristischer Laien
  • wenn der Auftrag auf Deutsch von einem Kunden abgefasst wurde, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist
  • wenn die Diktion so schwammig ist, dass Zweifel bestehen, ob es sich überhaupt um einen Auftrag oder nur um eine Anfrage handelt bzw. ob der Auftrag noch von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht wird (Suspensivbedingung).

Um für Sie die Sache wasserdicht zu machen, lassen Sie sich am besten von einem Juristen ein Auftragsschreiben aufsetzen, das Sie Ihren Kunden zur Unterzeichnung übermitteln. Darin können Sie u. a. auch regeln, dass nur Ihre AGB die Geschäfts­grundlage bilden, die Schriftform für die Auftragsabwicklung vorgeschrieben ist (keine mündlichen Nebenabreden) usw.

– Ist der Auftraggeber in persona vertretungsberechtigt?

– Ist der Auftraggeber ordnungsgemäß bevollmächtigt, wenn er im Namen eines Dritten handelt? Hier ist sogar bei Ehegatten Vorsicht geboten.

– Ist eindeutig, wer als Auftraggeber auftritt und als Zahlungspflichtiger gilt?

– Gehen Sie sicher, dass hinsichtlich sämtlichen Konditionen des Auftrags nicht mutwillig Verwirrung gestiftet oder etwas verschleiert wird, Missverständnisse provoziert werden und dergleichen.

– Ist der Schuldner überhaupt geschäfts-, prozess- und rechtsfähig?

– Ist die bekannte Adresse des Schuldners auch eine ladungsfähige Anschrift?

– Besonders gut sollten Sie sich absichern, wenn die Rechnungsanschrift nicht mit der Adresse des Auftraggebers identisch ist. Tritt gar ein Rechtsanwalt als körperlicher Auftraggeber auf mit der Maßgabe, dass Sie die Rechnung an seinen Mandanten schicken sollen, kann es ratsam sein, von dem Anwalt eine Erklärung zu verlangen, dass er die Kostenhaftung übernimmt.

– Misstrauen ist angebracht, wenn für Sie nicht evident ist, welches Interesse der Auftraggeber an der Übersetzung und welche Affinität er zum Inhalt hat.

– Wurden Kontakte, die zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer in der Durchführungsphase des Auftrags stattfanden, ordnungsgemäß protokolliert? Vorsicht, wenn Wünsche telefonisch nachgeschoben werden oder telefonische Vereinbarungen nicht im Auftragsschreiben wiedergegeben werden.

Beratung

Weitere Informationen und für den Einzelfall geeignete Anbieter können beim Verfasser erfragt werden. Nennen Sie dazu die Eckdaten Ihres konkreten Falles:

Forderungshöhe, Sitz des Schuldners, Art des Schuldners, Stadium der Forderung, Besonderheiten. Sie erreichen mich über

tycoon@posteo.lu

Jochen Ebert

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